Claire

Am 01.04.2014 ab 20:30




Claire

The Great Escape
„Free to go where ever our minds will carry us.“
(Roll down, run south)
Musik bedeutet immer auch Flucht.
Vor den Widrigkeiten des Alltags mit all seinen Facetten; vor Problemen und Ängsten, deren nachvollziehbare Vertonung tonnenweise Trost spenden kann; und vor dem ganz normalen Wahnsinn des Lebens selbst, dem wir uns im Beisein eines taktvollen musikalischen Begleiters aus Text und Ton häufig überhaupt erst gewachsen fühlen.
Und Claire haben mit ihrem Debütalbum „The Great Escape“ einen solchen musikalischen Begleiter erschaffen; einen verspielten Soundtrack für sämtliche Unwägbarkeiten im Hier und Jetzt; einen fantasievoll vertonten Fluchthelfer aus den fiesen Fängen des alltäglichen Lebens. Der Ursprung der fünfköpfigen Band liegt in München. Dort haben Messel und Nepomuk gemeinsam in einem Studio gearbeitet und lernten kurze Zeit später Flo bei einem Produktions-Job kennen. „Die Chemie zwischen uns hat sofort gestimmt. Also haben wir uns zusammengetan und angefangen, gemeinsam Mucke zu machen“, erinnert sich Nepomuk. Nach ersten Auftragsarbeiten entstand bald der Wunsch, Stücke für ein eigenes Projekt zu realisieren. Die Geburtsstunde von Claire. Auf der Suche nach einer geeigneten Ergänzung für die Vocals kam Flo eine alte Partybekanntschaft in den Sinn: Josie. „Ich hab sie über Facebook kontaktiert und gefragt, ob sie nicht mal vorbeikommen will. Und das wollte sie“, beschreibt Flo die Situation und grinst. „Als sie anfing zu singen, haben wir uns alle nur angesehen und dachten: Geil! Das ist es.“ Für eine druckvolle Live-Umsetzung ihrer Songs fehlte nun nur noch ein geeigneter Schlagzeuger. Hier kam Fridl ins Spiel, den Flo noch aus seiner Zeit in der Münchner Metal-Core Szene kannte. Claire war komplett. „Vigorous or faint dizzy from our feelings stream/ we will be able to paint what we have always dreamed.“ (Set out with me)
Die titelgebende Flucht von „The Great Escape“ ist eine Komponente, die in den 13 Songs des Debütalbums gleich auf mehreren Ebenen ihre Entsprechung findet. So geht es auf der Platte um den Ausbruch aus dem alltäglichen Trott; um das Ausschöpfen des brachliegenden Potenzials, das in jedem einzelnen von uns schlummert. Gleichzeitig ist der Titel aber auch Ausdruck einer selbsterfüllenden Prophezeiung, die für die fünf Band-Mitglieder im Aufbruch in ein neues Leben mündet. „Außerdem beschreibt der Titel die Flucht aus dem Studio, in dem wir sechs Monate lang gesessen und kein Tageslicht gesehen haben“, lacht Messel – und bringt die Erleichterung über den Abschluss der aufreibenden Produktionsphase damit exakt auf den Punkt. Vom dunklen Studiokeller ins Scheinwerferlicht. Wie passend, dass die Band ihren musikalischen Mix aus Post-Pop, Indie und Elektro gerne als Neon-Pop bezeichnet. „Unsere Texte bedienen sich einer sehr starken Bildsprache. Farben sind eben immer auch Ausdruck von verschiedenen Stimmungen“, findet Sängerin Josie. So malen Claire mit musikalischen Mitteln Situationen nach; zeichnen dunkelbunte Klangbilder aus vertonten Emotionen; und visualisieren die neonglänzende Gegensätzlichkeit aus ihrer kühl wirkenden Soundästhetik, die auf die wärmenden Worte von Frontfrau Josie trifft. Bestes Beispiel dafür ist die grandiose Vorab-Single „Games“; eine treibende Midtempo-Nummer, in dessen instrumentierter Schlichtheit ganze Galaxien an Gefühlen verborgen liegen. Trost trifft auf Trauer, Hoffnung auf Melancholie – stets in dem Wissen, dass der unscheinbarste Moment ein ganzes Leben verändern kann. Alles kann gut werden, solange die Liebe eines anderen Menschen deine Welt komplettiert. Etwas anders zelebrieren Claire die Dualität der Dinge in „The next ones to come“ – einer brüchigen Ode über den Tanz auf dem Vulkan; ein opulent vertonter Drahtseilakt über dem brodelnden Abgrund aus Angst und Verzweiflung, den die Band ganz gelassen meistert, indem sie die fiebrige Fehlbarkeit des Universums besingt. So ist „The Great Escape“ der formvollendete Ausdruck eines ge- und erwachsenen Pop-Verständnisses, das die Bezeichnung „Pop-Musik“ endlich nicht mehr als Schimpfwort begreift. Ein gesundes Wachstum im Underground hat Claire die nötige Griffigkeit verschafft, um sich deutlich von aalglatten Plastik- Pop-Projekten abzugrenzen und die Band in eine Reihe zu stellen mit Acts wie James Blake oder The xx. Und so liegen in den Harmonien der 13 Songs auf „The Great Escape“ Kontraste und Farben verborgen, die den Longplayer zu einem neonfarbenen Lichtblick auf die Zukunft hiesiger Pop-Musik machen. Mit ihrem Debütalbum haben Claire ein musikalisches Ausrufezeichen gesetzt, das das Ende popmusikalischer Beliebigkeit bedeutet; einen Fluchtpunkt gesetzt, der zum Ausgangspunkt wird.
Für die Musik. Für Pop. Für Claire.
“We are the next ones to come/
you won’t take us down.”
(The Next Ones To Come)