Vierkanttretlager - „Krieg & Krieg“ Tour 2015

Am 09.10.2015 ab 20:00




Vierkanttretlager - „Krieg & Krieg“ Tour 2015


Vierkanttretlager
„Krieg & Krieg“ Tour 2015

"Jetzt weißt du es auch. Es wird Krieg geben. Doch wie neu ist das. Ein Mensch ist eine
Kriegserklärung, zwei sind schon ein Krieg. Vielleicht hat die Menschheit dieses eine mal
Recht in ihrer lachenden Grausamkeit. Jetzt weißt du es auch. Es wird einen Krieg geben,
wie es ihn seit jeher gibt. Krieg und Krieg."
"Krieg&Krieg" ist das neue Album der Band Vierkanttretlager. Es ist vielschichtig, eingängig
und widerborstig, brutal und voller Mitgefühl. "Krieg&Krieg" ist eine Liebeslieder singende
Weltuntergangsmaschine, zugleich Schlag in die Magengrube und Finger in der eigenen
Wunde. In Zeiten in denen unüberbrückbar scheinende Differenzen wieder rücksichtslos an
die Oberfläche unserer täglichen Realität gelangen, ist "Krieg&Krieg" die kühle Antwort auf
brennende Fragen.
"Krieg&Krieg" ist das Folgewerk des 2012 erschienenen Debüts "Die Natur greift an",
in dem sich die Band an der Frage nach dem Menschsein abarbeitete und sich parallel einen
Namen als furiose Liveband machte. "Krieg&Krieg" ist nicht nur ein Werk von Max Richard
Leßmann (Gesang), Christian Topf (Gitarre) und Leif Boe (Schlagzeug), sondern auch von
Produzent Olaf O.P.A.L., der im Studio maßgeblich dazu beitrug, dass jeder Ton, jeder
Akkord, jeder Beat sich in den Dienst der Sache stellt und die Musik vor Anspannung
förmlich vibriert. Gemeinsam haben alle Beteiligten ein Klangbild erschaffen, das in
Verbindung mit Leßmanns Texten, ebenso modern wie zeitlos klingt. Zeitweise treibend,
dann fast psychedelisch, schließlich immer wieder umarmend - schmerzlich und versöhnend.
Schon im titelgebenden ersten Song des Albums greifen Text und Musik untrennbar
ineinander, wie die Zahnräder eines Uhrwerks, das über neun weitere Lieder die Tage bis
zum Weltuntergang hinunterzählt. So grausam aktuell "Krieg&Krieg" auch ist, erfolgt die
Antwort auf die schmerzliche Frage, ob die Menschheit eigentlich noch zu retten sei, nicht
ohne diese zu hinterfragen — und erst recht nicht ohne Bedauern.
Was in der Musik von Vierkanttretlager aber so drängt, schiebt und zerrt, das ist nicht
Wut, Angst oder Frustration, sondern Denken. Nicht dumpf brütend und im konzeptuellen
Käfig gefangen, sondern bei aller Fokussierung frei assoziierend. Immer wieder sprengen die
Songs auch ihren inhaltlichen Rahmen. Etwa, wenn in "Lass uns den Verstand verlieren" auf
die Zeile "Bis wir tot sind leben wir für immer, und wenn wir tot sind, sind wir immer tot“ der
scheinbar banale Ruf "Lieber Max, komm aus deinem Zimmer, es gibt in der Küche
Abendbrot" folgt, und so das bequeme Kleid der Metaebene vom Hörer abgleitet und er
nackt vor den Tatsachen steht.
Genau deshalb haben auf "Krieg&Krieg" auch Liebeslieder wie "34 Narben" oder
"Kaktusblüte" ihren Platz. Stellvertretend für die Hoffnung auf Hoffnung. Wie bei ihrem Hit
"Fotoalbum" geschieht dies freilich nicht ohne doppelten Boden, in dessen Zwischenraum
nagende Fragen auf uns warten.
"Schweigen" indes, der zärtlichste Song und Schlusspunkt des Albums, ist zugleich der
emotional härteste — nicht nur in lyrischer Hinsicht, sondern auch weil sich spätestens hier
offenbart, dass der Pressverband aus reißendem Unbehagen, den die Band sich angelegt
hat, nicht verhindern kann, dass gelegentlich die ganze Tragik und Dringlichkeit hindurch
blutet. Ausgerechnet beim leisesten Stück von "Krieg&Krieg" wird klar, dass die Lautstärke,
die beständig hinter Max’ Vortrag zu lauern scheint, eben doch keine rein suggestive ist. Die
Ballade über den Doppelselbstmord der letzten beiden Menschen lässt das Album, das mit
dem Titelstück "Krieg&Krieg" quasi in der Apokalypse beginnt, konsequenterweise im Garten
Eden enden. Wo es ganz bibelgetreu die Erkenntnis ist, die uns den Laufpass gibt.