Die EM2016: Das sicherstes Sportereignis der Welt?

Terror in Europa – wie sicher ist die EM 2016?

Die Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich wirft ihre Schatten voraus. In diesem Jahr ziehen allerdings auch dunkle Schatten auf, denn die Terrorgefahr ist allgegenwärtig – und das nicht erst seit den Anschlägen von Paris. Aufgrund dieser Gefahr hatten die Verantwortlichen sogar erwogen, die EM unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden zu lassen.

 

Einzelkontrollen bei einem Fußballspiel.
Bild: Einzelkontrollen, wie hier bei einem Fußballspiel in Polen, sollen auch bei der EM stattfinden.
Bildquelle: Dziurek – 177351905 / Shutterstock.com

 

Dieses Vorhaben ist mittlerweile vom Tisch, stattdessen wird fieberhaft daran gearbeitet, dass während des Fußballspektakels alles ruhig bleibt. Gewarnt ist man, denn am 13. November 2015 hatten Attentäter gezeigt, wie verwundbar die Stadt an der Seine ist. Im Vorfeld der EM weiß man, dass die Bedrohung noch nie so hoch war, wie aktuell, dennoch will man die Europameisterschaft durchziehen, denn alles andere wäre eine Niederlage. Das stellte der französische Premierminister Manuel Valls klar.

 

Sicherheit für 2,5 Millionen Fans

 Die Fußball-EM beginnt am 10. Juni und dauert bis zum 10. Juli. Zu den 51 Spielen werden in den Fußball-Arenen rund 2,5 Millionen Fußball-Fans erwartet, für deren Sicherheit gesorgt werden muss. Gespielt wird in zehn Stadien, die sich in neun französischen Städten befinden. Die Kapazität der Stadien liegt zwischen 80.000 und 33.000.

Stadt

Stadion

Kapazität

Paris

Stade de France

80.000

Marseille

Stade Velódrome

67.000

Lyon

Stade des Lumiéres

59.000

Lille

Stade Pierre-Mauroy

50.000

Paris

Parc de Princes

45.000

Bordeaux

Stade de Bordaux

42.000

Saint-Étienne

Stade Geoffroy-Guichard

42.000

Lens

Stade Bollaert-Delelis

35.000

Nizza

Allianz Riviera

35.000

Toulouse

Stadium Municipal

33.000


Dass die Stadien nun zu regelrechten Festungen werden, davon wollen die Verantwortlichen nicht reden. Allerdings müssen die Fans Geduld mitbringen und sollten zeitig zu den Spielen erscheinen. Denn jeder Zuschauer soll vor dem Einlass ins Stadion gründlich durchsucht werden. Neben rund 77.000 Polizisten und Spezialeinheiten sollen von der UEFA auch etwa 13.000 private Sicherheitsleute vor Ort akquiriert werden. Es ist sogar die Rede davon, 10.000 Soldaten für den Schutz der Fans heranzuziehen. Zudem sollen Metalldetektoren, Scharfschützen, Spürhunde und womöglich auch Drohnen für noch mehr Sicherheit sorgen. Hinzu kommt, dass die Stadien konsequent abgeriegelt werden.

 

Außerhalb der Stadien sieht das Ganze schon etwas anders aus. In den Fanzonen, in denen Public Viewing angeboten wird, können diese Sicherheitsvorkehrungen nicht aufrechterhalten werden. Dennoch werden laut Behörden auch hier Fans durchsucht, Zugänge gesichert und Gelände per Video überwacht. Erwartet werden in den Fanzonen weitere sieben Millionen Fans. Absagen wolle man die Fanzonen allerdings nicht, „denn ohne diese würden sich die Fans improvisiert zusammentun, wobei das Risiko zehn Mal so groß wäre“, sagt der französische Innenminister Bernard Cazeneuve.

 

Sport im Vordergrund

Fußball Fanmeilen sind gut besucht.
Bild: Fanmeilen, wie hier 2006 in Berlin, stehen in Frankreich besonders im Fokus.
Bildquelle: 360b – 1529337713 / Shutterstock.com

 

Trotz der hochbrisanten Lage soll der Sport im Vordergrund stehen. Schließlich könne man sich nicht zuhause verbarrikadieren, denn dann hätten die Terroristen ihr Ziel erreicht. Deswegen fiebern Fußballfans aus ganz Europa der 15. Europameisterschaft entgegen. Vor allem die Deutschen hoffen auf ein gutes Abschneiden ihrer Mannschaft, die als amtierender Weltmeister laut fussball-wetten.com neben Spanien und Frankreich zu den Top-Favoriten gehört. Wer auf Deutschland setzt, der kann mit folgenden Wettquoten in der Spitze rechnen:

  • Viertelfinale: 1,33
  • Halbfinale: 1,90
  • Finale: 3,00
  • Europameister: 4,50

Obwohl Top-Favorit glauben laut einer Umfrage des Anbieters nur 13% daran, dass es die Elf von Jogi Löw tatsächlich zum Europameister schafft. 20%, also ein Fünftel der Befragten glauben, dass Deutschland mit dem Turniersieg nichts zu tun hat. 54% sind noch unentschlossen. Die Wettquoten im Ländervergleich der 24 teilnehmenden Nationen sprechen dagegen eine deutliche Sprache. Hier ist Deutschland ganz oben zu finden.

Land

Beste Wettquote

Deutschland

4,50

Frankreich

4,50

Spanien

7,00

England

11,00

Belgien

13,00

Italien

17,50

Portugal

23,00

Kroatien

34,00

Österreich

50,00

Polen

70,00

Schweiz

71,00

Russland

100,00

Wales

100,00

Island

100,00

Schweden

101,00

Tschechien

120,00

Türkei

120,00

Ukraine

150,00

Irland

151,00

Slowakei

200,00

Rumänien

251,00

Ungarn

351,00

Nordirland

501,00

Albanien

501,00

Besonders interessant wird es in diesem Jahr, weil zum ersten Mal 24 Mannschaften in der Endrunde stehen. Bisher waren es 16 gewesen, bis 1992 gar nur acht. Das bedeutet: Mehr Spiele, mehr Spannung und vielleicht sogar die eine oder andere Überraschung. So nehmen mit Albanien, Island, Nordirland, Wales und der Slowakei insgesamt fünf Länder teil, die vorher noch nie bei einer Europameisterschaft antraten, schlicht und einfach, weil sie bisher nie die Qualifikation geschafft haben. Es gibt sechs Gruppen mit je vier Mannschaften, die die Gruppenphase spielen werden. Ins Achtelfinale kommen die jeweils zwei Bestplatzierten der Gruppen und die vier besten Drittplatzierten.

Gruppe A

Frankreich, Rumänien, Albanien, Schweiz

Gruppe B

England, Russland, Wales, Slowakei

Gruppe C

Deutschland, Ukraine, Polen, Nordirland

Gruppe D

Spanien, Tschechien, Türkei, Kroatien

Gruppe E

Belgien, Italien, Irland, Schweden

Gruppe F

Portugal, Island, Österreich, Ungarn

Vorsicht ja, Panik nein

Dass die Europameisterschaft in diesem Jahr mit der Weltmeisterschaft 1998, die ebenfalls in Frankreich stattfand, nicht vergleichbar ist, dürfte jedem einleuchten. Wir wissen alle, dass nach dem 11. September 2001 nichts mehr so ist, wie es mal war und wir alle ein wachsames Auge haben sollten. So raten Polizei und Behörden zur Vorsicht, vor allem bei Großveranstaltungen, Panik sei dagegen nicht angebracht. Schließlich tue man alles Menschenmögliche, um für die bestmögliche Sicherheit zu sorgen.

Einen besonderen Schutz genießen die 24 Nationalmannschaften. So werden pro Team fünf Beamte eines Spezialeinsatzkommandos abgestellt. Um die Sicherheit für die deutsche Mannschaft zu erhöhen, werde man zusätzlich eigene Sicherheitskräfte, wie etwa Beamte des BKA, engagieren. Besonders gefährdet sind laut Bundeskriminalamt das Eröffnungsspiel der EM und das Finale. Dennoch versuche man für die Europameisterschaft 2016 die maximale Sicherheit zu gewährleisten. Das versprach der französische Präsident Francois Hollande.