Oh yeah, me so selfie!

Vielleicht dauert es nicht mehr lange und die Kameraqualität der Frontkamera wird das Aushängeschild jedes Smartphones. Dann steckt der 20-Megapixel-Sensor mit Full HD Auflösung nicht mehr auf der Rückseite, sondern vorne. Dem allgegenwärtigen Trend zum Selfie würde das sehr entgegenkommen. Hier begnügen sich Promis, Partypeople und Städtereisende häufig mit 2 Megapixel Frontkameras für die Selbstportraits. Aber was steckt eigentlich hinter dem Trend, dem zuletzt die Band Bonaparte sogar ein ganzes Lied gewidmet hat?

 

Reden wir mal von früher. Früher waren Selbstportraits mit der Digitalkamera immer ein bisschen Blindfischen. Ob man selbst oder die Gruppe voll auf dem Bild zu sehen war, war immer Glücks- und Übungssache, ebenso das Gelingen des Fotos. Die Frontkamera beim Smartphone hat nun aber den Vorteil, dass man sich im großen Displey begutachten und positionieren kann. Man kann Schärfe, Highlights und Filter einstellen und so das perfekte Selfie schießen. Die Selfies werden daraufhin munter auf allen Sozialen Netzwerken gestreut. Mit steigender Fotoqualität gibt es sicherlich auch bald die ersten Selfies in Posterformat. Einfach seinen letzten Schnappschuss bei posterxxl ausdrucken lassen und man hat ein schönes Weihnachtsgeschenk für Mutti, dem Freund oder die Partycrew. Einen Schritt in Richtung optimierte Frontkamera machte Anfang November HTC mit dem Desire Eye. Hier hat die Frontkamera satte 13 Megapixel auf einem 5,2 Zoll Full HD Display, diese Auflösung reicht tatsächlich für einen Posterdruck aus.

Selfies als Akt der Emanzipation?

Über die kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung des Selfie Trends lässt sich sicherlich streiten. Medial wird das Thema breit ausgeschlachtet, nicht mal wir können uns davon freisprechen (siehe diesen Artikel). Zuletzt schrieb Teresa Bücker auf Zeit Online, dass es sich bei den Selbstportraits um einen "Akt der Emanzipation" handelt, der als "Deutungshoheit über das eigene Bild" dient. Laut diesem Artikel geht es bei Selfies um die Kontrolle darüber, wie das eigene Portrait dargestellt wird. Ganz abseits eines narzisstischen Hintergedanken, gehe es um die Erschaffung einer eigenen Bildwelt, für mehr Selbstbewusstsein und ein Zugehörigkeitsgefühl. Zum Abschluss wollen wir euch noch eine Begriffsklärung mit auf dem Weg geben. Liebe Focus Online-Redaktion, auch wenn die von euch berichtete Inszenierung eines Besen unterm Busen durchaus den Geist eine Selfies treffen, nämlich ein Portrait, das die gängigen Schönheitsideale entlarvt – oder sie zumindest selbst gestaltet, ist das Bild kein Selfie. Bei einem richtigen Selfie wird das Selbstportrait aus der eigenen Hand aufgenommen, das ist so nicht bei der finnischen Künstlerin geschehen.

 

Bildrechte: Flickr Portrait of a Selfie (Explored) Andrew Fysh CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten