Musiktherapie: Wie Musik heilen kann

Menschen hören aus den unterschiedlichsten Gründen und zu unterschiedlichsten Anlässen Musik: Im Club zum ausgelassenen Feiern, daheim zur Entspannung oder zur Bewältigung von Stress. Musik kann jede Form von Emotion hervorrufen, ohne dass sie einer anderen Sprache bedarf. Wir therapieren uns gewissermaßen – meist unbewusst – selbst mit Musik. Doch sie kann durchaus auch gezielt zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden: Wir geben einen Überblick wie und wogegen Musik eine echte Medizin sein kann.

Musik in der Psychotherapie und Pädagogik

Grundsätzlich kann eine Musiktherapie rezeptiv oder aktiv erlebt werden: Im ersten Fall geht es vor allem darum, dass Patienten Musik hören (rezipieren). In der Medizin wird dieses Verfahren beispielsweise zur Entspannung des Patienten eingesetzt. Bei der aktiven Musiktherapie singen und musizieren die Patienten hingegen selbst: Sie gestalten die Musik, improvisieren oder nutzen die Musik, um sich selbst auszudrücken. Kombiniert wird diese Form der Musiktherapie auch mit der Tanz- und/oder Kunsttherapie. Dabei wird sie in unterschiedlichen Bereichen angewandt: Außer zur Behandlung von psychischen und somatischen Erkrankungen setzt man Musik auch in der Schmerztherapie und bei neurologischen Krankheiten von Patienten aller Altersstufen ein. Die zunehmende Bedeutung der Musiktherapie zeigt sich auch daran, dass es inzwischen in Heidelberg den ersten und einzigen grundständigen Bachelorstudiengang mit staatlicher Anerkennung an einer Hochschule in Deutschland für Musiktherapie gibt.

Weitere Einsatzgebiete von Musik werden fortlaufend erforscht: Unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Hillecke führt die SRH Hochschule Heidelberg seit November 2015 beispielsweise ein auf drei Jahre angelegtes Projekt durch, das sich mit den Einsatzmöglichkeiten von Musik in der Demenztherapie beschäftigt. Die Demenzpatienten, so der bisherige Zwischenstand, blühen regelrecht auf, wenn Lieder "von früher" erklingen und gemeinsam gesungen werden. Das weckt nicht nur Erinnerungen, sondern schafft auch Brücken zwischen den Musizierenden und eine Grundlage für Kommunikation. Damit stiftet Musik eine Gemeinschaft – selbst wenn man seine eigenen Verwandten nicht mehr erkennt.

Musiktherapie auch für Frühchen wichtig

Die heilenden Eigenschaften von Musik sind teilweise seit Jahrtausenden bekannt. Doch erst seit jüngerer Zeit werden sie auch in der Behandlung von Frühchen eingesetzt. Der Gedanke dabei ist, dass Babys, die zu früh zur Welt kommen, eine akustische Reizüberflutung erfahren. Sie nehmen ab circa der 20. Schwangerschaftswoche den Herzrhythmus der Mutter wahr und ab der 24. Woche auch gedämpft durch die Bauchwand der Mutter akustische Reize von außerhalb. Diese Dämpfung entfällt, wenn das Kind zu früh zur Welt kommt. Die Musiktherapie setzt an dieser Stelle an, improvisiert und reagiert auf Mimik, Gestik und Stimmung des Kindes – auch unter Einbeziehung der Atemfrequenz und des Herzschlags des Neugeborenen.

Solfeggio-Frequenzen: Was steckt dahinter?

Darüber hinaus gibt es noch weitere Ansätze, wie man die heilenden Kräfte von Musik nutzen kann: Die sogenannten Solfeggio-Frequenzen sollen diesem Artikel zufolge "eine ausgleichende Wirkung auf unseren Körper und unsere Psyche entfalten können". Jede einzelne dieser Frequenzen verfügt demnach über spezifische Wirkweisen, die bei psychosomatischen Beschwerden helfen und auf den Hörer eine entspannende und ausgleichende Wirkung haben. Das Singen der festgelegten Silben auf bestimmten Tonstufen soll ebenfalls eine beruhigende Wirkung haben, da Herzschlag und Atmung dabei in Gleichklang gebracht werden. Der Ursprung der neuentdeckten Solfeggio-Skala, auf der sieben Noten den Silben "Do-Re-Mi-Fa-So-La-Ti" zugeordnet sind, liegt übrigens im Mittelalter.



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