Lotto – vom großen Glück und dem verfluchten Geld

Lotto übt auf viele Menschen eine große Faszination aus. Zwar ist die Gewinnchance statistisch gesehen überaus gering, doch die Aussicht, auf einen Schlag Millionär zu sein, ist für die meisten Lottospieler sehr verlockend. Durch sie wird jede Ziehung zu einem spannenden Nervenkitzel. Und so manchem Lottogewinner bescherte ein Millionengewinn das plötzliche Ende jeglicher finanzieller Sorgen. Anderen wiederum scheinen die Lottomillionen eher Unglück gebracht zu haben: Trotz des neugewonnenen Reichtums folgte wenige Jahre später ihr Ruin. Wir haben einige Geschichten gesammelt, die sich mit dem Glück und Unglück befassen, über Nacht Millionär zu werden.

Glück im Spiel, Pech im Leben

Das Jahr 2015 brachte insgesamt 62 Lottomillionäre hervor. 30 von ihnen wurden mit Lotto 6 aus 49 reich, 13 Spieler hatten das große Glück mit der Zusatzlotterie Spiel 77 und immerhin 8 Spieler wurden mit dem EuroJackpot zu glücklichen Gewinnern. Hinsichtlich der Gewinnchancen und der üblichen Gewinnhöhe sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Lotterien teilweise immens. So sind beim EuroJackpot Höchstgewinne von zweistelligen Millionenbeträgen keine Seltenheit, während es bei der Glücksspirale maximal eine monatliche Sofortrente von 7500 Euro zu gewinnen gibt (oder eine Einmalzahlung von etwa 2 Millionen). Die aktuellen Lottoquoten und Gewinnchancen können Interessierte bei tipp24.com einsehen. Die Mehrheit der frisch gebackenen Millionäre möchte anonym bleiben. Auch Rainer Holmer, Berater bei "Lotto Bayern", rät dazu, den Lottogewinn besser nicht publik zu machen. Er kontaktiert all jene, denen ein Lottogroßgewinn unvermittelten Reichtum bringt, um ihnen beratend zur Seite zu stehen. Allen von ihnen gibt Rainer Holmes den Tipp, sich genau zu überlegen, wen man von seiner Lottomillion erzählt. Denn falsche Freunde und Neider erscheinen schneller auf der Bildfläche, als manch einer glaubt. Doch nicht jeder Gewinner folgt diesem Ratschlag. Man hört sie immer wieder, die Geschichten von unglücklichen Lottomillionären wie dem unter dem Namen Lotto-Lothar bekannt gewordenen Pechvogel. Der damals arbeitslose Lothar Kuzydlowski gewann im Jahr 1994 einen Betrag von 3,9 Millionen D-Mark. Damit kaufte er sich teure Autos und Häuser, feierte ausgelassene Partys in weit entfernten Ländern und verprasste einen Großteil seines Vermögens in Casinos. Seine Geschichten beherrschten damals die Schlagzeilen der Bildzeitung, sodass ganz Deutschland an seinem ausschweifenden Lebensstil teilhaben konnte – und auch direkt sein Scheitern als Lottomillionär verfolgte. Am Ende hatte Lotto-Lothar deutlich weniger als eine halbe Million seines Gewinns übrig, wurde von seiner Frau verlassen und starb ein Jahr nach der Trennung an einer Leberzirrhose. Nach seinem Tod stritten sich Witwe und Ex-Geliebte um den verbliebenen Rest: 150.000 Euro in bar sowie ein Haus im Wert von 200.000 Euro.

Wer seinen Gewinn mit Bedacht investiert, hat mehr davon

Geschichten wie die von Lotto-Lothar oder die eines Paares aus Portugal, das nach seinem Lottogewinn von 15 Millionen Euro aufgrund von Streitigkeiten schließlich vor Gericht landete, erscheinen typisch für Neureiche, die ohne große Mühe und unerwartet an hohe Geldbeträge gekommen sind. Zwar sind es tatsächlich eher Ausnahmen, doch da die bedachteren Lottogewinner meist anonym bleiben, hört man von den Positivbeispielen natürlich auch weniger. So unvermittelt, dass man sich keinerlei Gedanken zu seiner sinnvollen Verwendung machen konnte, dürfte der Lottogewinn für die meisten gar nicht kommen: Schließlich spielen viele über einen sehr langen Zeitraum Lotto, bevor es zu einem Gewinn kommt. Dennoch würden sich laut Holmer einige ins kalte Wasser geworfen fühlen und wüssten gar nicht, was sie mit dem Geld anfangen sollen, während andere wiederum ganz konkrete Vorstellungen haben. Einige wenige Lottogewinner konnte die plötzliche Million sogar vor einer drohenden Misere bewahren: So wie jenen Unternehmer, dessen Firma aufgrund von Zahlungsunfähigkeit kurz vor der Pleite stand. Mit dem Millionengewinn konnte er nicht nur seine Firma behalten, sondern auch unzählige Arbeitsplätze retten. Sich einen sehnlichen Wunsch zu erfüllen, den Rest jedoch richtig anzulegen und gewissenhaft zu investieren, gilt als die beste Strategie im Falle eines Millionengewinns. Schließlich steigert Psychologen zufolge ein Lottogewinn nicht zwangsläufig die Zufriedenheit. Nur wer das Geld so nutzt, dass er langfristige Ziele erreicht, oder es verwendet, um geliebten Menschen zu helfen, wird dadurch dauerhaft glücklich. Viele verfallen jedoch in einen ungebremsten Konsumrausch, der kurzfristig glücklich macht, jedoch nicht von Dauer ist. Oft wird das Geld dann in der überschäumenden Euphorie verprasst, und am Ende steht der Gewinner wieder genauso da wie vor dem Lottogewinn.



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