Kuba in Bierlaune: Brauhäuser sollen den Durst der Touristen stillen

Bier ist in Kuba auf dem Vormarsch. Statt auf hochprozentigen Rum setzten immer mehr Kubaner auf das kühle Blonde. Nun soll der staatlich verordnete Trend zu Gasthausbrauereien die steigende Nachfrage bedienen und Bier-Engpässen vorbeugen.

Es war der drittheißeste Sommer seit 1951. Während die Sommermonate 2014 Kuba durchschnittlich 28 Grad Celsius bescherten, saßen die Inselbewohner auf dem Trockenen. Wer sich bei der Rekordhitze nach einem erfrischenden Bier sehnte, wurde herb enttäuscht. Schuld daran waren jedoch weder die autoritäre politische Führung noch die missliche Wirtschaftslage des Karibikstaats. Begründet war der Engpass im Bierregal in einem Produktionsrückgang der größten kubanischen Brauerei "Bucanero". Das Unternehmen, ein Joint-Venture des kubanischen Staates und des US-amerikanischen Brauereikonzerns Anheuser-Busch, hält in Kuba mit den Marken Bucanero, Cristal, Cacique und Maybe ein Quasimonopol. Anfang 2014 legte jedoch der verspätete Import von Braugerste die Bierproduktion lahm.

Kuba gilt als Rumhochburg und hat sich mit seinen legendären Anbaugebieten weltweit einen Namen als Tabakparadies gemacht. Nun will der Inselstaat sowohl Einheimische als auch Touristen mit einer eigenen Brauhauskultur überzeugen. Martin Cyris hat eine der modernen Mikro-Brauereien Havannas besucht und in der Badischen Zeitung von seiner spannenden Reise berichtet. Die "Cervecería Antiguo Almacén de la Madera y el Tabaco" ist die zweite Gasthausbrauerei der kubanischen Hauptstadt und Teil eines politischen Wirtschaftsplans.

Rum gilt als Nationalgetränk Kubas und dennoch ziehen viele Kubaner ein kühles Bier der hochprozentigen Spirituose vor. Ob blond, braun oder schwarz, ein frisch Gezapftes gilt in Kuba als chic und Zeichen eines gewissen Wohlstands. 3 CUC (Peso convertible) kosten 0,3 Liter Bier auf der Karibikinsel – umgerechnet 2,25 Euro. Ein Luxus, den sich nicht nur Touristen, sondern auch immer mehr Kubaner gönnen. Die Wirtschaft Kubas lebt zu einem großen Teil von der Tourismusbranche. Die meisten Besucher kommen aus Kanada, Deutschland und Großbritannien – anspruchsvolle Gäste, die ein gutes Bier zu schätzen wissen und auch im Urlaub nicht missen möchten. Und so tut das Tourismusministerium des sozialistischen Staates alles, um den Durst der Besucher zu stillen. Neben den Mikro-Brauereien Havannas sind ähnliche Brauhäuser in Varadero, Santiago de Cuba und Trinidad geplant.

Und das kubanische Bier kann durchaus auch den Gaumen des kritischen Bierkenners aus Deutschland überzeugen. Was so verwunderlich nicht ist. Wurden die größten Brauereien Kubas schließlich in den 1980er Jahren mit der Technik und dem Fachwissen nach Kuba entsandter DDR-Bürger gebaut.

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