Italiens Cannabis-Politik als Vorbild für Deutschland?

Eine Nachricht aus Italien sorgt für Wirbel: Die italienische Armee baut künftig im Auftrag des Gesundheitsministeriums Cannabis an. Die eigene Produktion des Rauschmittels soll den Rohstoff für die Entwicklung von Marihuana-Medikamenten liefern und teure Importe aus dem Ausland überflüssig machen. Wie Die Welt berichtet, steht für Gesundheitsministerin Beatrice Lorenzin neben der Entlastung der Sozialkassen vor allem das Wohl der Kranken im Vordergrund. Der Entschluss ebne nicht den Weg für die Erlaubnis zum Eigenanbau.

In Deutschland hat genau diese Genehmigung im Juni die Debatte um die Legalisierung von Cannabis neu entfacht. Ein Urteil des Kölner Verwaltungsgerichts hatte für einen Aufschrei gesorgt: Drei Schmerzpatienten hatten sich das Recht auf eine Sondergenehmigung für den Erwerb und Anbau von Cannabis zu therapeutischen Zwecken erstritten, da sie die Kosten für den apothekenpflichtigen, synthetischen Wirkstoff nicht aufbringen konnten. Die strengen Auflagen für eine Sondergenehmigung erschweren vielen Betroffenen mit chronischen Schmerzen die Linderung Ihrer Leiden. Weitere Kläger erhielten die Erlaubnis beispielsweise nicht, weil unter anderem der alleinige Zugang zu den Pflanzen nicht gesichert war. Patienten, die körperlich nicht in der Lage sind, sich selbst um die Zucht von Cannabis zu kümmern, haben ebenso wenig Hoffnung auf den legalen Konsum.

Wie diese und viele andere Betroffene die Kosten für die Behandlung aufbringen sollen, ist unklar. Die Krankenkassen kommen bisher nicht für verfügbare Marihuana-Präparate auf. Eine Senkung der Preise könnte Abhilfe schaffen. Auch in der Bundesrepublik entstehen durch den Import enorme Kosten. Laut Angaben des Spiegels liegt der Preis für ein Gramm medizinischen Cannabis' in Deutschland mit 15 bis 18 Euro weit über dem Preis des niederländischen Nachbarn von acht Euro. In Uruguay, dem ersten Land, das den Verkauf und Anbau der Pflanze gänzlich legalisiert hat, erhält man das Gramm sogar für unter einen Euro. Der Wechsel des Importeurs könnte ein Ansatzpunkt für Verhandlungen sein, denn auf dem Weg vom niederländischen Hersteller Bedrocan, von dem die Bundesrepublik seine Wirkstoffe bezieht, verdoppelt sich der Preis.

Italiens Entscheidungsträger gehen davon aus, dass die Kosten für die eigene Produktion dennoch unter denen für den Import liegen werden. Möglich machen das die häufig großen Kapazitäten und die Erfahrungen der Armee. Diese stellt bereits seit langer Zeit Medikamente für die Streitkräfte und den freien Markt her. Bereits im kommenden Jahr sollen Cannabis-Medikamente aus eigener Produktion verfügbar sein. Die Liberalisierung und Teillegalisierung von Cannabis sind in einigen Bundesstaaten der USA und in anderen Ländern geglückt, auch mit deutlichem Zugewinn für den Staat. Im Falle der USA spielen Steuern bereits beachtliche Summen in den Haushalt.