Interview Angelo Kelly

Ebern-Eyrichshof – Ein Familien-Ausflug der besonderen Art. Die Kelly-Nachwuchs-Family kommt zum Rösler open air. Der jüngste Sproß des einstigen Großunternehmens vom Kölner Hausboot, Angelo Kelly (37), wandelt auf Solopfaden, die Ehefrau und die Kinder im Schlepptau. Das einzige Gastspiel der Irish Summer-Tour in Franken findet am Freitag, 26. Juli, im unbestuhlten Schlosshof des Rotenhan-Denkmals statt, zusammen mit Regensburg eines von zwei Konzerten in Bayern. Im Vorfeld zur Tournee stand der sympathische und sehr höfliche Mädchenschwarm Angelo Kelly, der seit 2005 mit einer Rostockerin verheiratet ist, in der neuen Heimat der Familie in Irland zum Gespräch bereit.

Foto: Chris Bucanac
Foto: Chris Bucanac


Du hast im Vorjahr schon auf Burg Wertheim oder dem Schlossplatz in Coburg gespielt. Wie gefallen Dir so Auftritte an historischen Plätzen im Frankenland?


Angelo Kelly: Ach ja, ich erinnere mich gut, das waren beides dolle Abende vor schönen Kulissen. Das ist es ja, was Open air-Konzerte ausmacht. Das inspiriert die Künstler auf der Bühne und beeindruckt auch die Besucher, das so die Show mitgestaltet. Das macht jeden Abend einzigartig. Da verschmelzen Energie zu einer einzigartigen Symbiose, was in Hallen mit ihren eher nüchternen Atmosphäre eher selten passiert.


Was dürfen die Fans von Eurem Gastspiel in Schloss Eyrichshof erwarten?

Es gibt Songs vom 2018 erschienen Album „Irish Heart“, dazu einige irische Klassiker sowie mehrere ältere Songs, die wir länger nicht mehr gespielt haben. Das heißt für Fans, die uns im letzten Jahr schon besucht haben, dass sie eine komplett neue Setlist geboten bekommen, Dazu gibt es auch eine ganz neue, aufwändigere Produktion. Mit der Platte von 2018 haben wir erfreulicherweise viele Leute erreicht und sie hat auch schon Goldstatus erlangt. Wir sind jetzt in der glücklichen Lage, mehr Aufwand betreiben und uns auch mehr Musiker leisten zu können. So kommt diesmal eine Leinwand für visuelle Beiträge besonders bei den irischen Liedern zum Einsatz. Wir machen mit der Technik gegenüber dem letzten Sommer einen großen Schritt nach vorne. Das wird auch für mich spannend.


Wie schaffst Du bzw. Ihr es, die unterschiedlichen Terminpläne von Kelly und eigener Family unter einen Hut zu bringen?

Ehrlich gesagt, das weiß ich manchmal auch nicht mehr. Ich bin verrückt, dass ich mir das antue. Aber ich bin ein produktiver Mensch und stehe gerne auf der Bühne. Aber mein Pensum wäre für die Kinder natürlich zu viel, so dass ich eben auch mit den Geschwistern toure. Mit den Kindern macht es Spaß, weil man so hautnah erlebt, wie sie sich entwickeln. Aber mehr als 30 bis 50 Konzerte im Jahr sollen es dennoch nicht sein. Und mit der Kelly Family komme ich für mich dann so auf 100 bis 200 Konzerte. Das reicht dann aber auch.


Haben denn Deine Kinder immer so richtig Lust auf Tournee zu gehen, oder würden sie lieber etwas anderes machen?

Eine interessante Frage, über die wir als Eltern oft und genau reflektieren. Nach jeder Tournee warten wir ein paar Tage, bis sie die Eindrücke verinnerlicht haben und lassen alles sacken. Dann setzen wir uns in der Familienrunde zusammen und sprechen darüber, was gefallen hat, oder was schlecht war oder optimiert werden sollte. Deswegen werden vorerst weitermachen. Natürlich kann man auf dieser Basis keine drei oder vier Jahre vorausplanen. Aber es überrascht meine Frau und mich immer wieder, wie die Familie seit den gemeinsamen Auftritten seit 2012 noch mehr zusammenrückt und es meist allen gefällt. Und wir, wie auch die Kinder, erleben dabei, dass sich ihre Stimmen immer weiterentwickeln, verbessern - und gerade die Kinder haben die größte Freude daran.


Wieviel Zeit bleibt Euch eigentlich für ein „normales“ Familienlieben, auch mit Blick auf Schule und Ausbildung?

Wir leben ja zusammen in Irland und praktizieren dort Home-Schooling, ein Modell, das in Deutschland nicht so bekannt ist. Wir haben damit bereits angefangen, als wir drei Jahre lang ohne festen Wohnsitz durch ganz Europa gereist sind. Das funktioniert problemlos und die Kinder können auch alle möglichen Abschlüsse machen, auch ein Studium. Ob sie bei der Musik bleiben, oder etwas anderes studieren wollen, um diesem Weg zu folgen, werden sie selbst entscheiden.


Fährst Du eigentlich selbst mit Deiner Familie zu den Auftritten?

Nein, das ist auf einer Tournee, die zwei Monate lang durch ganz Deutschland führt, nicht möglich. Wir fahren nach jedem Konzert zusammen in einem Nightliner von Stadt zu Stadt. So sind wir nahe beieinander und schlafen auch unter einem Dach, während es zum nächsten Gastspiel geht. Wegen der größeren Produktion kommen diesmal für das gesamte Personal sogar zwei Doppelbusse zum Einsatz. Die sind zwar teuer, aber es ist eine angenehme Art zu reisen und so haben wir auch tagsüber Zeit für einander.


Du bist als Schlagzeuger bei Jazzrock-Legende Billy Cobham in die Schule gegangen. Welche Drummer imponieren Dir darüber hinaus?

Besonders solche, die eine eigene Handschrift haben, die man sofort heraushört, egal auf welchem Album und wem sie spielen. Steve Gadd zum Beispiel, mit dem ich eine dolle Begegnung hatte und den ich als unfassbaren Menschen kennengelernt habe. Sein Spiel hat mich sehr inspiriert. Dazu gehört auch Vinnie Colaiuta (Frank Zappa, Sting), den ich sofort heraushöre. Jeder Song atmet seinen Rhythmus, obwohl er nie sein Ego reindrückt. Auch Gavin Harrison (King Crimson, Pinapple Thief, Porcupine Tree) hat so einen individuellen Stil, den man sofort erkennt. Auch Stewart Copeland ist so einer. Ich wette Police hätte in der Gegenwart nie mehr diesen Erfolg, den Copeland erst möglich gemacht, weil er am Ende eines Stückes fast doppelt so schnell spielte wie am Anfang. Das sorgte für Dynamik. Heutzutage mit den vielen elektronischen Beats und Metronomen ist das gar nicht mehr vorstellbar. Selbst Ringo Starr hat obwohl sicher kein Virtuose einen eigenen Stil entwickelt, der die Beatles und auch viele andere Schlagzeuger prägte. Manchmal liebe ich sein Spiel, manchmal hasse ich es.


Du bist ja der Prototyp eines europäischen Weltenbürgers: In Spanien geboren, Vater und Mutter Amerikaner, viele Jahre in Deutschland gelebt, jetzt in Irland, durch ganz Europa gereist, Charterfolge auf der ganzen Welt. Was hält’s von den aktuellen politischen Entwicklungen und Ausgrenzungs-Tendenzen vieler Staaten?

Nun, wenn Du auf den Brexit abzielst, der beeinflusst mich weniger, weil Irland ja in der EU bleibt und ich keinerlei Bezug zu Nordirland habe. Ich verstehe die Aufregung vielerseits, aber es muss auch möglich sein, dass ein Land austritt, auch wenn es vielleicht nicht der richtige Schritt ist. Denn müsste jedes Land gegen seinen Willen in der EU bleiben, führt das zur Tyrannei. Es wird spannend, wie chaotisch der Austritt England wirklich wird.

Das Interview führte Ralf Kestel


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