Gerolzhofen auf der Suche nach „netten Toiletten"

In Gerolzhofen im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt entstand eine Idee, die deutschlandweit Wellen schlagen könnte, zumindest in den Toilettenspülungen der Gastwirte. Das Problem kennt jeder: Man ist unterwegs und wird plötzlich vom dringenden und unaufschiebbaren Bedürfnis überfallen, das stille Örtchen aufzusuchen. Aber weit und breit ist keine öffentliche Toilette in Sicht... Das Stadtgebiet Gerolzhofen ist mit neun öffentlichen WCs zwar nicht schlecht aufgestellt, jedoch befindet sich aktuell ein Toilettenhäuschen in Umbauarbeiten, und ein weiteres ist so heruntergekommen, dass die Stadt es kurzerhand geschlossen hat. Aufgrund dieser Notdurft-Notlage wurde sogar der Stadtrat einberufen. Schließlich kostet eine neue Klosett-Anlage gut und gerne 82.000 Euro – Geld, das Ortschaften nicht unbedingt locker aus dem Handgelenk schütteln können.

Eine Win-Win-Situation

Darum suchte man die Lösung für die großen und kleinen Geschäfte der Bürger und Besucher in Gerolzhofen in eben diesen. Es wurde nämlich der Plan gefasst, die Toiletten von Gastronomen in die öffentliche Versorgung mit einzubinden. Ihren Ursprung hat die „nette Toilette" in Aalen, die ein ähnliches sanitäres Problem wie Gerolzhofen hatte. Die an der Aktion beteiligten Gastwirte machen mit einem Aufkleber an der Tür darauf aufmerksam, dass hier ein Toilettengang ohne Verzehrzwang oder Gebühr gestattet ist. Stadtbesucher können so völlig sorgenfrei die Stadt erkundigen, da ein Örtchen zum Erleichtern stets in unmittelbare Nähe ist. Im Gegenzug erhalten die Gastronomen von der Stadt Aalen eine Aufwandsentschädigung für Reinigung und Wasserverbrauch, der je nach Nutzung zwischen 30 und 150 Euro im Monat liegt. Und natürlich zeigen sich Menschen in körperlicher Notlage dankbar, sodass die Gastwirte durch die Aktion den einen oder anderen Gast gewinnen konnten. Am Beispiel Aalen zeigt sich, dass Lokale und Stadt gemeinsam an einem Strang ziehen können, für eine kollektive Klospülung.

Gestern Aalen, heute Gerolzhofen, morgen ganz Deutschland?

In Gerolzhofen fließen bereits die ersten Zusagen ins große Becken: Bisher haben vier Wirte nicht nur ihre Bereitschaft für eine Teilnahme erklärt, sondern greifen der Stadt bei der Aktion tatkräftig unter die Arme, damit ihr gemeinsames Vorhaben nicht zum sprichwörtlichen „Griff ins Klo" wird. Ebenfalls mit von der Partie wird ein innerstädtisches Modehaus sein, das vor allem die Zeiten abdecken kann, in denen manche Gastronomen noch nicht geöffnet haben. Die Gespräche mit weiteren Interessenten laufen bereits, die Stadt selbst wünscht sich noch zwei weitere Gastronomen oder Händler für ihre große K(l)ooperation. Aber auch andere Kommunen verfolgen die Suche nach der „netten Toilette" genau. Schließlich ist dies ein Thema, das alle betrifft. Sollte Ihnen außerhalb von Aalen oder Gerolzhofen die Blase drücken, legen wir Ihnen die besten 6 Apps zur Toilettenfindung ans Herz. Damit finden Sie die Ihnen zur Verfügung stehenden stillen Örtchen und ersparen sich und Ihrer Blase Zeit fürs Suchen.

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