Ganz viel warme Luft

Heizkörper waren gestern - Moderne Häuser werden mit Wärmepumpen geheizt


Es ist schon so was wie ein kleines Ritual, wenn im Herbst die Temperaturen erstmals in einen Bereich gesunken sind, der das Leben im trauten Heim ein wenig ungemütlich macht. Wenn’s draußen nass und kalt wird, geht der Hausherr oder die Hausherrin auf Wanderschaft und bringt die Heizung in Gang. Heizkessel und Steuerungsgerät anstellen, vielleicht auch neu einstellen. Und dann erst mal einen Tag warten, bis alles auf Temperatur ist. Heizkörper aufdrehen, hoffen … und trotzdem das vertraute laute Gluckern im Heizkörper hören. Das ist dann aber oft nicht nur am Anfang zu hören, sondern begleitet die ersten Tage des Heizungsbetriebs als unangenehmes Störgeräusch im Haus. Also wieder auf Wanderschaft und mit einem kleinen Schlüssel jeden Heizkörper entlüften und darauf hoffen, dass kein rostiges Wasser an die weiße Wand spritzt.

Haus
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Kaum zu glauben, aber auch heute noch ist in vielen Häusern der Ablauf genauso. Aufwändig, teuer, ineffizient, viel Geld wird zum "Fenster hinausgeheizt". Trifft eine alte Heizungsanlage dann auch noch auf eine alte und schlechte Isolation, dann ist das umwelt- und finanztechnische Desaster vorprogrammiert.

Das muss aber nicht sein, denn Wärme ist in jedem Haus reichlich vorhanden, sie muss nur effizient genutzt werden. Grundvoraussetzung ist eine moderne und gute Isolation, die verhindert, dass das Haus auskühlt und gewährleistet, dass die Wärme im Haus gespeichert wird. Denn die Wärme wird im Haus selbst produziert: vom Fernseher, vom Toaster, der Kaffeemaschine, der Lampe und den Bewohnern selbst. Rein wärmetechnisch betrachtet sind Menschen nämlich nichts anderes als permanent auf 37 Grad aufgeheizte wandelnde Heizkörper. Alles zusammen erzeugt in der Regel genug Wärme, um auch in normalen Wintertagen das Haus gemütlich zu heizen. Nun würde sich die Luft allerdings recht schnell verbrauchen und die Luft entsprechend stickig werden. Was tut der Hausherr in dem Fall? Klar, lüften. Allerdings nicht mit dem altbekannte "Fenster aufreißen", denn dann kommt zwar frische Luft ins Haus, die ist aber kalt und kühlt das ganze Haus wieder ab. Früher musste dann geheizt werden. Ein höchst ineffizienter Kreislauf: warme, verbrauchte Luft wird durchs Fenster abgelassen; die neue, frische Luft muss erst aufgeheizt werden.

Hier setzt nun die Luft-Luft-Wärmepumpe als Heizungstechnik an: Durch ein modernes zentrales Be- und Entlüftungssystem wird die verbrauchte warme Luft aus dem Haus abgeleitet. Über ein System der Wärmerückgewinnung wird die Energie der Abluft genutzt, um die Frischluft aufzuheizen. Vereinfacht dargestellt "fließt" die Wärme der Abluft auf die Zuluft über. Diese erwärmte Frischluft heizt dann das ganze Haus auf. Fußbodenheizung oder Heizkörper gibt es nur noch im Bad. Jeder Raum kann individuell über die Lüftung beheizt werden. So kann das Schlafzimmer kühler sein als die übrigen Räume und sogar ein Kaminofen kann in diesen Kreislauf integriert werden. Die von ihm produzierte warme Luft wird im ganzen Haus optimal verteilt. Bei extremen Außentemperaturen kann die Luft zusätzlich über Heizelemente in den Luftdüsen erwärmt werden. Die Energie dafür kommt idealerweise aus einer Photovoltaikanlage, sodass auch die zusätzliche Heizung umwelt- und kostenfreundlich betrieben werden kann. Einige Systeme bieten sogar ein integriertes Luftqualitätsmanagement, das den Kohlendioxid-Ausstoß der Bewohner misst und die Belüftungsleistung automatisch anpasst.

Die Restwärme der Abluft, die nicht für die Erwärmung der Frischluft genutzt wird, kann im nächsten Schritt für die Erwärmung des Trinkwassers genutzt werden. Weiterer sehr positiver Nebeneffekt: Die zentrale Belüftung sorgt durch verschiedene Filter für saubere, pollen- und Feinstaubfreie Luft, die Allergiker wieder aufatmen lässt. Außerdem wird die Luft entfeuchtet und verhindert somit Feuchteschäden und Schimmelbildung im Haus. Die Wärmepumpentechnologie ist eines der Heizungssysteme, die beim neuen Haus die notwendigen Voraussetzungen für den KfW-Standard zur Förderung des Hausbaus erfüllen.