Entwickelt sich die Apple Watch zum Flop?

Marktforscher sind sich sicher: Apple hat gute Gründe, die Verkaufszahlen der hauseigenen Smartwatch zurückzuhalten. Was anfangs nach einem triumphalen Geschäft aussah, entwickelt sich langsam, aber sicher zur Katastrophe:

Seit April 2015 ist die stylische Hightech-Armbanduhr aus dem Hause Apple erhältlich. Nach einer durchaus erfolgreichen Markteinführung mit über 1,5 Millionen verkauften  Einheiten in der ersten Woche soll der Absatz der Apple Watch auf dem amerikanischen Markt nun angeblich um 90 Prozent eingebrochen sein. Veröffentlicht wurde diese Nachricht vom Marktbeobachter Slice Intelligence via Twitter. Demzufolge verkaufte sich das Gadget in den ersten Tagen rund 200.000 Mal. Anfang Juli hingegen konnten sich nicht einmal mehr 5000 Käufer pro Tag für die Hightech-Uhr begeistern.

Die Schätzungen beruhen auf der Auswertung der E-Mail-Quittungen von mehr als 2 Millionen US-amerikanischen Online-Shoppern und können keinesfalls wie offizielle Verkaufszahlen gelesen werden. Dennoch trübt die Statistik die euphorische Stimmung, die Apples Einstieg ins Uhrengeschäft begleitete. So ging beispielsweise die Investmentbank J.P. Morgan davon aus, Apple würde im ersten Verkaufsjahr rund 26 Millionen Uhren an den Mann bringen – fast so viele wie die Schweiz jährlich exportiert. Zukünftig werden die Analysten wohl leisere Töne anschlagen. Und auch die Uhrenbranche sieht in der Apple Watch schon lange keine Gefahr mehr für den Luxusuhrenmarkt.

Gerade das goldene Premium-Modell der Apple-Uhr erweist sich den Marktforschern von Slice Intelligence zufolge als wahrer Ladenhüter. Ein Grund dafür könnte das gestreckte Edelmetall sein, das sich in Wirklichkeit als Metallmatrix-Verbundwerkstoff aus Gold und Keramik-Partikeln entpuppt, der andere ist womöglich der stolze Preis von über 10.000 Euro. Analysten schätzen, dass das Unternehmen aus Kalifornien für die Apple Watch maximal 25 Gramm Gold benötigt. Beim aktuellen Goldwert entspräche dies einem Aufwand von 900 Euro. Das Innenleben der Premium-Uhr entspricht dem der günstigen Sportvariante und kann somit höchstens 350 Euro kosten. Demzufolge kalkuliert Apple bei der Luxus-Variante der Smartwatch mit einer Gewinnspanne von etwa 800 Prozent.  

Das große Geschäft soll Apple jedoch mit zusätzlichen Armbändern machen, die rund ein Fünftel der Käufer beim Erwerb der Uhr mitbestellen. In der Sportvariante kosten diese hierzulande 59 Euro. Der Hersteller selber inventiert in die bunten Streifen aus "Hochleistungs-Fluorelastomer" der Nachrichtenagentur Reuters zufolge ohne Lagerung, Werbung, Verpackung und Transport hingegen lediglich 2,05 Dollar – umgerechnet 1,83 Euro.

Interessant ist die Bilanz der Apple Watch vor allem, da es sich bei dem Gadget um die erste neue Produktkategorie seit dem Tod des Firmengründers Steve Jobs handelt. Ihr Erfolg ist somit auch ein Indiz dafür, ob das Unternehmen auch zukünftig in der Lage sein wird, bahnbrechende Technik zu entwickeln und auf den Markt zu bringen.  




Bildrechte: Flickr Apple Watch raneko CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten