Eine bessere Welt mit Sneakers, Jeans und T-Shirts

Sind Klamotten aus Ozeanplastik die Rettung für die Weltmeere? Rund 71 Prozent der Erde bestehen aus Wasserflächen. Ein Großteil dieser Meere und Ozeane verkommt nach und nach zur Müllkippe. Der Grund dafür ist unsere Konsumgesellschaft. Immer mehr Flaschen, Plastiktüten und Verpackungsmaterialien finden ihren Weg ins Meer. Dem Umweltbundesamt zufolge schwimmen dort schon rund 140 Millionen Tonnen Abfall in gigantischen Müllinseln – ein Problem, das dem Menschen schon lange über den Kopf gewachsen ist. Dennoch finden sich vereinzelt Lösungsvorschläge, die Müllberge im Ozean zu reduzieren. Neben ehrenamtlichen Sammelaktionen an Stränden und Küstenstreifen haben nun auch Unternehmen ihr Interesse für die Rettung der Weltmeere entdeckt. Die Ideen: Kleidung aus Ozean-Plastik soll die Weltmeere entlasten. "Raw for the Oceans" nennt sich eines dieser Projekte, das Musiker Pharrall Williams zusammen mit dem Modelabel G-Star Raw und dem Biotechnikunternehmen Biotic Yarn ins Leben gerufen hat. Dabei wird Plastikmüll aus den Meeren gefischt und zu Gran verarbeitet. Zu Denim gewoben, kommt dieser schließlich bei Jeans der Modelinie "Raw for the Oceans" zum Einsatz. 2014 fand die umweltfreundliche Kollektion ihren Weg in die Stores des Modelabels und auch Internet-Boutiquen wie Van Graaf nahmen die außergewöhnlichen Kleidungsstücke in ihr G-Star-Sortiment auf. Nun ziehen andere Labels nach. Auch Adidas arbeitet an der Entwicklung von Kleidungsstücken aus recyceltem Meeresplastik. Schon im kommenden Jahr sollen erste Spezial-Kollektionen in die Läden kommen. Auf lange Sicht möchte der Hersteller sportiver Freizeitkleidung jedoch einen Großteil existierender Plastikelemente in Adidas-Produkten durch Meeresplastik ersetzen. Doch sind Unternehmen durch solche Aktionen imstande, die zunehmende Vermüllung der Weltmeere zu stoppen? Oder geht es den Initiatoren dieser Idee eher darum, sich einen grünen Anstrich zu geben? Bei dieser Frage sind sich Umweltschützer uneinig. Zum einen rücken medienwirksame Projekte wie "Raw for the Oceans" die Aufmerksamkeit der Verbraucher auf den kritischen Zustand der Weltmeere und bieten eine Möglichkeit, großangelegte Müllsammelaktionen zu finanzieren. Andernfalls rechtfertigten Sie, dass Unternehmen weiterhin am Plastikparadigma in der Herstellung von Konsumgütern festhalten, anstatt nachhaltige Produktionsmethoden zu realisieren. Dennoch sieht die Umweltschutzorganisation Greenpeace das Recycling von Ozeanplastik als positive Tendenz. Eine endgültige Bewertung kann jedoch erst denn erfolgen, wenn bekannt ist, wie sich die Ökobilanz der auf diese Weise recycelten Materialien im Vergleich zu herkömmlichen Textilien verhält.