Deutscher Filmpreis 2020: So geht Preisverleihung in Corona-Zeiten

Es war in jeder Hinsicht ein besonderer Deutscher Filmpreis. Zum einen jährte sich die Verleihung zum 70. Mal, zum anderen fand sie aufgrund der Corona-Krise zum ersten Mal ohne große Gala statt.

Das war natürlich nicht die einzige Besonderheit: Auch in diesem Jahr führte der Schauspieler und Entertainer Edin Hasanovic (28) durch die Show. In der 2400 Quadratmeter großen Studiohalle waren zwar keine Gäste, dafür aber ein Hund, der an Hasanovics Seite stand. Und das Orchester wurde flugs durch einen DJ ersetzt. Downsizing im Lockdown. Die Laudatoren – mit dabei waren unter anderem Iris Berben, Anke Engelke, Charly Hübner, Jannis Niewöhner – kamen ganz kurz ins Studio oder wurden aus ihren Wohnzimmern zugeschaltet.

Foto DJ

Einen Abräumer des Abends gab es auch: Das Drama "Systemsprenger" von Regisseurin Nora Fingscheidt (37) war gleich zehnmal nominiert und erhielt acht der begehrten Auszeichnungen. Bei NetBet Österreich kann man als noname sogar auch ein Gewinner werden, aber das ist ein anderes Thema. Zurück zu Systemsprenger und dessen Auszeichnungen: Darunter "Bester Spielfilm", "Beste Regie" und "Bestes Drehbuch", das Fingscheidt ebenfalls schrieb. Auch in der Besetzung konnte "Systemsprenger" voll und ganz überzeugen: Die junge Helena Zengel (9) wurde als "Beste weibliche Hauptrolle" ausgezeichnet. Co-Star Gabriela Maria Schmeide (54) erhielt die Lola in der Kategorie "Beste weibliche Nebenrolle". Und Albrecht Schuch (34) wurde gleich doppelt geehrt und das ganz normal: "Beste männliche Hauptrolle" in "Systemsprenger" und dazu noch für die "Beste männliche Nebenrolle" in dem Film "Berlin Alexanderplatz".

"Systemsprenger" ist die Story der neunjährigen Benni, die mit ihren Wutausbrüchen und Aggressionen ihre Mitmenschen zur Verzweiflung treibt. Hauptdarstellerin Helena Zengel wurde für ihre Rolle bereits bei der Berlinale im vergangenen Jahr mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet.

Zwei Gewinner standen bereits vor dem großen Abend fest: Der Ehrenpreis ging in diesem Jahr an den Filmemacher und Autor Edgar Reitz. Damit wurde er für seine herausragenden Verdienste um den Deutschen Film gewürdigt. Die undotierte Lola für den "besucherstärksten deutschen Film des Jahres" nahmen Autor und Regisseur Bora Dagtekin sowie Produzentin Lena Schömann für DAS PERFEKTE GEHEIMNIS entgegen.

Der Deutsche Filmpreis gilt als die renommierteste und ist mit insgesamt fast drei Millionen Euro Preisgeld höchstdotierte Auszeichnung für den deutschen Film. Er wird seit 1951 jährlich verliehen. Als Symbol der Verleihung wird die goldene Lola-Statuette für die besten Werke des vergangenen Jahres überreicht. In der Kategorie „Bester Spielfilm“ wird die Lola zusätzlich in Bronze und Silber vergeben. Die über 2.000 Mitglieder der Deutschen Filmakademie haben die Preisträgerinnen und Preisträger in 17 Kategorien gewählt. Die Verleihung des Deutschen Filmpreises wird gefördert vom Medienboard Berlin-Brandenburg und der Filmförderungsanstalt.

 

Eine Übersicht über die verliehenen Preise in den einzelnen Kategorien:

BESTER SPIELFILM GOLD
„Systemsprenger“ von Nora Fingscheidt

BESTER SPIELFILM SILBER
„Berlin Alexanderplatz“ von Burhan Qurbani

BESTER SPIELFILM BRONZE
„Es gilt das gesprochene Wort“ von Ilker Çatak

BESTER DOKUMENTARFILM
„Born in Evin“ von Maryam Zaree

BESTER KINDERFILM
„Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ von Caroline Link

BESTE WEIBLICHE HAUPTROLLE
Helena Zengel für „Systemsprenger“

BESTE MÄNNLICHE HAUPTROLLE
Albrecht Schuch für „Systemsprenger“

BESTE WEIBLICHE NEBENROLLE
Gabriela Maria Schmeide für „Systemsprenger“

BESTE MÄNNLICHE NEBENROLLE
Albrecht Schuch für „Berlin Alexanderplatz“

BESTE REGIE
Nora Fingscheidt für „Systemsprenger“

BESTES DREHBUCH
Nora Fingscheidt für „Systemsprenger“

BESTE KAMERA/BILDGESTALTUNG
Yoshi Heimrath für „Berlin Alexanderplatz“

BESTER SCHNITT
Stephan Bechinger und Julia Kovalenko für „Systemsprenger“

BESTE MUSIK
Dascha Dauenhauer für „Berlin Alexanderplatz“

BESTES SZENENBILD
Silke Buhr für „Berlin Alexanderplatz“

BESTES KOSTÜMBILD
Sabine Böbbis für „Lindenberg! Mach dein Ding“

BESTES MASKENBILD
Astrid Weber und Hannah Fischleder für „Lindenberg! Mach dein Ding“

BESTE TONGESTALTUNG
Corinna Zink, Jonathan Schorr, Dominik Leube, Oscar Stiebitz und Gregor Bonse für „Systemsprenger“

BESTE VISUELLE EFFEKTE UND ANIMATION
Jan Stoltz und Claudius Urban für „Die Känguru-Chroniken“

BESUCHERSTÄRKSTER FILM DES JAHRES
„Das perfekte Geheimnis“ von Bora Dagtekin

EHRENPREIS
Edgar Reitz