Nach Plus-Size-Hype kommt Body Positivity

"Überflüssige Pfunde sollten unter weiten Shirts versteckt werden, Menschen mit Cellulite sollten bloß keine kurzen Shorts und Röcke tragen, wer ein paar Kilo zu viel hat, sollte auf gedeckte Farben setzen und große, bunte Muster vermeiden", so lauteten lange Zeit die üblichen Modetipps an Frauen, die keine Modelmaße haben. Schluss damit! Was nach gut gemeinten Ratschlägen klingt, zeigt nur, dass wir zu oft einem photogeshoppten Schönheitsideal hinterherjagen. Zwar hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan, doch statt ein allgemeines positives Körperbild zu schaffen, rückt die Modeindustrie nun Plus-Size-Models in den Fokus.

Die Modeindustrie sattelt um

In der sonst so strengen Modeindustrie, die für gewöhnlich nur sehr schlanke Models in Größe 32/34 über die Catwalks laufen lässt, hat sich in den letzten Jahren einiges verändert. So gewinnen Plus-Size-Models wie Ashley Graham und Angelina Kirsch vermehrt an Popularität und erobern nicht nur die Laufstege dieser Welt, sondern zieren auch die Cover von Modezeitschriften wie Sports Illustrated oder Cosmopolitan. Im Netz gibt es inzwischen spezialisierte Shops, die aktuelle Trends in großen Größen anbieten und somit auch Frauen und Männern mit Kleidergröße 44 und mehr die Möglichkeit geben, sich modisch zu kleiden.

Plus-Size allein reicht nicht aus

Das ist ein guter Anfang, doch reicht noch nicht aus. In die richtige Richtung geht die Sportmarke Nike, die endlich auch Sportkleidung für große Größen anbietet und somit aufzeigt, dass nicht nur schlanke Supermodels im Fitnessstudio aktiv werden. Nike ist zudem das erste Sportswear-Label, das seine Sportkleidung von Plus-Size-Models präsentieren lässt. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Marken, die es auf ihren sozialen Netzwerken oder in Pressemitteilungen extra hervorheben, sobald eine Kollektion von Übergrößen-Models vorgestellt wird, hält sich die Nike diesbezüglich zurück und setzt damit ein Zeichen. Denn mit dem aktuellen Hype um Plus-Size-Models wird abermals nur ein ganz bestimmtes Körperbild in den Mittelpunkt gestellt – dabei sollte grundsätzlich jeder Körpertyp akzeptiert und auf abgrenzende Begriffe verzichtet werden. Dieser Meinung ist auch Robyn Lawley, die dank ihrer Kurven erfolgreiches Übergrößen-Model geworden ist. Sie meint: "Zu sagen ‚dünn ist hässlich' ist genauso inakzeptabel wie zu sagen ‚dick ist hässlich'." Um hier ein Umdenken anzustoßen, sollte daher überhaupt kein Unterschied mehr zwischen Plus-Size- und Models in Größe 34 gemacht werden. Ein gutes Beispiel hierfür ist die aktuelle H&M-Kampagne in der US-amerikanischen September-Ausgabe der der Frauenzeitschrift Glamour. Die Werbung zeigt vier Models, auf denen eines davon Übergröße trägt. Doch sie ist nicht extra hervorgehoben, und genau hierin liegt der Fortschritt. Auch das Label Weekday überraschte kürzlich mit einer ähnlichen Kampagne. Plus-Size-Größen sollten in Modeläden keine eigene Abteilung haben, sondern auch neben den Kleidergrößen 32 bis 42 hängen und Models mit Größe 42 und größer nicht nur in die Plus-Size-Ecke gedrängt werden, damit ein positives Körperbewusstsein – egal, ob man dick, dünn, groß, klein ist – entstehen kann.


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