Ausbildungsberuf E-Commerce-Kaufmann: Alles über den beliebtesten Beruf 2017

Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung gibt es einen breit angelegten Diskurs über Vor- und Nachteile der aktuellen Entwicklung von der analogen zur digitalen Gesellschaft. Dies betrifft auch Streitigkeiten über die Berufswelt. Hier werden meist die negativen Seiten beleuchtet, denn viele traditionelle Berufe werden im Zuge der Technisierung und Automatisierung wegfallen. Doch es gibt auch positive Seiten. Letztlich werden auch neue Berufe geschaffen. Der jüngste von ihnen ist der/die E-Commerce-Kaufmann/-frau. Doch welche Aufgaben haben junge Männer und Frauen in diesem Bereich?

Junger Azubi sitzt mit Anzug und Krawatte lächelnd auf Stuhl; auf dem Schoß ein Laptop

Eine Karriere im E-Commerce? Diese Aussicht bietet das attraktive Berufsbild des E-Commerce-Kaufmanns auf alle Fälle.
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Was gibt es da nicht alles für Veränderungen durch die Digitalisierung? Denn diese betrifft am Ende alles und jeden. Smart-Homes erwecken neuerdings das eigene Zuhause zum Leben. Wer heute nach Informationen sucht, der geht nicht mehr in die Bibliothek, sondern fragt Google. Und wer sich heutzutage als junger und ambitionierter Mensch überlegt, was er in der Zukunft einmal machen möchte, der denkt nicht mehr daran, ein buchstäbliches Handwerk zu lernen, sondern wählt einen der Berufe, den die digitale Arbeitswelt so mitbringt.

Dazu zählen neben eindeutigen Tätigkeitsfeldern wie der Arbeitsbereich des Social-Media-Managers aber auch weniger vielsagende Berufe wie der Data Strategist oder der Feel-Good-Manager. Noch ganz neu auf der digitalen Berufsliste für die Zukunft ist der bzw. die E-Commerce-Kaufmann/-frau. Online-Händler haben diesen Beruf erfunden. Und angesichts der Aufgaben und Gelder, die in diesem Wirtschaftszweig stecken, ist es nur verständlich, dass Unternehmen eine kompetente Person benötigen, die das kaufmännische Know-how mitbringt, um den Herausforderungen dieser noch äußerst jungen Branche zu begegnen.

Was genau ist eigentlich E-Commerce?

Der Handel ist wahrscheinlich die treibende Kategorie der Wirtschaft überhaupt, nicht nur in Deutschland, sondern in der gesamten Welt. Doch in den letzten Jahren hat sich das Geschäft mit dem An- und Verkauf von Waren deutlich verändert. Während der stationäre Handel 2016 nur knapp um 2 Prozent anwuchs, konnten die Internet-Händler um fast 6 Prozent zulegen.

Dies hat natürlich auch damit zu tun, dass Menschen heutzutage so ziemlich alles Erdenkliche über das Internet kaufen (können): Bücher, Kleidung, ja sogar Lebensmittel können heute bequem vom Sofa aus oder sogar unterwegs bestellt und direkt bis an die Haustür geliefert werden – zum Leidwesen vieler stationärer Händler, die dadurch kurz vor der Geschäftsaufgabe stehen. Kleine Büchereien oder Tante-Emma-Läden gibt es kaum noch zu finden. Der elektronische Handel, kurz E-Commerce, boomt hingegen und wird es auch in Zukunft.

Doch so einfach, attraktiv und unkompliziert dies für den Verbraucher auch klingen mag: Die Konkurrenz für Händler ist groß. Denn wenn jeder Händler seine Waren überall in Deutschland anbieten kann, weil sich im Internet eben ortsunabhängig shoppen lässt, bedeutet dies zugleich, dass sich jene Händler einem deutlich höheren Wettbewerb gegenübersehen. Und genau hier braucht es Multichannel-Experten, die im virtuellen Netz ebenso verkaufen können wie in der örtlichen Fußgängerzone. Und exakt hier kommen E-Commerce-Kaufleute ins Spiel.

Aktuelle Ausbildungsverordnungen kennen Online-Handel nicht

Der Beruf des Kaufmanns besitzt eine lange Tradition. Vom Bank- bis zum Bürokaufmann gibt es heutzutage viele ausdifferenzierte Berufsbilder mit ähnlichen Schwerpunkten. Doch der Online-Kaufmann kommt in den aktuellen Ausbildungsverordnungen von Groß- und Einzelhandelskaufleuten nicht vor. Der Online-Handel ist dort ganz einfach noch nicht auf dem analogen Papier angekommen.

Dies ist insbesondere für Unternehmen ein großes Problem, die auf dem Arbeitsmarkt nach fähigen Leuten suchen, die ihnen dabei helfen, sich auf die für viele noch immer nebulöse Branche des E-Commerce einzulassen und dort erfolgreich zu sein. Denn oft nennt sich die Konkurrenz, mit der auch umsatzschwächere und lokal orientierte Unternehmen mithalten müssen, Amazon, eBay oder Karstadt.

Hier braucht es gerade deswegen ausgebildetes Personal, damit auch kleinere Unternehmen mithalten können. Leider sind Experten im E-Commerce bislang aber Autodidakten, die entweder bereits einen lukrativen Arbeitsplatz bei einem der Big Player besitzen oder aber auf Jobsuche sind, aufgrund fehlender Fähigkeitsnachweise aber leider oft nicht beachtet werden.

Denn für die Tätigkeit im Sektor E-Commerce braucht es besondere Kenntnisse. „Das Internet als Kommunikations- und Transaktionsmedium ermöglicht völlig neue Geschäftsmodelle im Handel, löst Grenzen der tradierten Handelsstufen auf und verlangt daher andere Kompetenzen“, erklärt Martin Groß-Albenhausen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer von bevh.

Herbst 2018 soll Ausbildung starten

Um den wachsenden An- und Herausforderungen der Branche zu begegnen, wurde in den letzten und wird auch in den kommenden Monaten eifrig an einem Lehrplan für die Ausbildung zum/r E-Commerce-Kaufmann/frau gebastelt. Vorgesehen ist dafür eine wie gewohnt dreijährige Ausbildung, in denen natürlich auch die kaufmännischen Grundlagen vermittelt werden müssen, die selbstverständlich auch im elektronischen Handel eine zentrale Rolle spielen.

Doch dazu kommen noch einige spezifischere Ausbildungsgebiete, die sich mehr an den Tätigkeiten im Internet orientieren. Hierzu zählen beispielsweise:

  • Vertriebskanäle und Sortimentgestaltung, besonders unter Beachtung des Mediums Internet

  • Produktdarstellungen und Rechtliches, z.B. Markenschutz

  • Social-Media-Inhalte

  • Online-Marketing, beispielsweise Suchmaschinenoptimierung und Content-Marketing-Prinzipien

Voraussetzung für eine Ausbildung soll mindestens der Realschulabschluss, besser noch eine gymnasiale Vorbildung sein. Gefragt sind Kompetenzen in Deutsch und Mathe, aber auch in Englisch. Auch IT-Kenntnisse spielen eine übergeordnete Rolle. Von herausragender Bedeutung, vor allem im Vergleich zu klassischen kaufmännischen Berufen, wird mit Blick auf das Internet als Vernetzungsmedium aber das Persönlichkeitsprofil des Bewerbers sein. Wer also zum Beispiel einen eigenen Blog betreibt, dürfte Vorteile bei der Bewerbung besitzen.

Das könnten E-Commerce-Kaufleute verdienen

1. Lehrjahr: 760-850 Euro

2. Lehrjahr: 800-900 Euro

3. Lehrjahr: 850-1.000 Euro

Ausgebildet: 1.500-3.000 Euro je nach Unternehmen und Tätigkeitsschwerpunkt

Gestartet wird mit der Ausbildung voraussichtlich im Herbst 2018. Zwar gibt es noch keine endgültige bürokratische Bestätigung für die neue Ausbildung, diese scheint aber nur noch Formsache zu sein. Die bei der IHK angesiedelte Ausbildung soll dann branchenübergreifend bereits im ersten Jahr mit 1.000 freien Lehrstellen aufwarten, die angehende Azubis in derzeit circa 150 Unternehmen in Deutschland finden können.

 

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